Muttertag - Geschichte einer Idee - Vatertag - Ein Witz


Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Hast du schon ein passendes Geschenk zum Muttertag besorgt? Wirst du auch nicht vergessen, deine Mama an diesem Tag ganz besonders zu ehren? Von überall werden wir Jahr für Jahr erinnert, unserer Mutter einen schönen Tag zu bereiten. Eine ganze Industrie hat sich inzwischen darauf eingestellt und rechnet fest mit den im Mai zusätzlich sprudelnden Einnahmequellen. Blumenläden, Parfümerien, Drogerien, Confiserien, Buchläden und was weiß ich noch alles für Geschäfte, lieben diesen Tag.
Und so verwundert es auch nicht, dass hierzulande der Muttertag vom Verband deutscher Blumenhändler ins Leben gerufen wurde. Das war 1922. Eigentlich sollte aber mehr dahinter stecken, hinter diesem zweiten Sonntag im Mai. Eigentlich hat der Muttertag seine Wurzeln ganz wo anders. Eigentlich hat der Muttertag Geschichte geschrieben.


Vater und Mutter


Du sollst Vater und Mutter ehren. Das steht schon in der Bibel und ist über 3000 Jahre alt. Vater und Mutter haben es verdient, mit Respekt und mit Liebe behandelt zu werden, meinte zumindest der Verfasser der Thora. Auch heute noch gelten diese Grundsätze menschlichen Zusammenlebens und sind Teil unserer neuzeitlichen Werteordnung. Am Muttertag wird dies noch einmal besonders deutlich. Aber Moment mal? Stand da nicht Vater und Mutter? Wieso gilt die besondere Aufmerksamkeit nur der Mutter? Dies hat sicherlich historische Gründe. Frauen hatten früher lange nicht die gesellschaftliche Stellung, die sie heute inne haben. Den Frauenbewegungen ist es zu verdanken, dass wir mittlerweile ganz normal über Gleichberechtigung reden können. Vielerorts wurden Frauen nicht gut behandelt, hatten kaum Rechte und mussten sich den herrschenden Männern unterordnen. Auch das steht in der Bibel: "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter..." Was für ein Blödsinn! Hier erkennt man klar, dass der Verfasser ein Mann gewesen sein muss. Gott wurde schon oft für menschliche Zwecke missbraucht. Und hier sehen wir ein besonders eklatantes Beispiel, dessen Folgen bis in unsere moderne Zeit hinein reichen. Gerade die Kirche tut sich schwer, wenn es um Gleichberechtigung geht, jedenfalls die alterwürdige katholische Kirche. Da dürfen die Frauen immer noch nicht Priesterinnen werden, von höheren Ämtern ganz zu schweigen. Sie dürfen die Kirche putzen, die Sekretärin für den Herrn Pfarrer spielen, die Kinder während der Gottesdienste betreuen und ehrenamtlich den ganzen Laden zusammen halten, so gut es geht. Gäbe es die Frauen in den Gemeinden nicht, gäbe es keine Gemeinden. Da bin ich mir sicher. Das ist einfach kein Männerding, Menschen zusammen zu führen, zu verbinden, Kontakte zu knüpfen. Frauen sind die wahren Meister der sozialen Künste - nur zu sagen haben sie hier nichts.


Muttertag Einführung


Der Muttertag, wie wir ihn heute kennen, wurde maßgeblich von Anna Jarvis, einer bekannten US-amerikanischen Frauenrechtlerin, ins Leben gerufen. Bereits 1872 wurde so ein Tag von Julia Ward Howe, einer ebenfalls bekannten Vertreterin der Frauenbewegung in Amerika eingefordert, ihre Bemühungen blieben jedoch zunächst erfolglos. Man wollte erreichen, das die amerikanischen Mütter an einem Tag im Jahr einmal besonders für all ihre Mühen und Entbehrungen geehrt würden. Am 8. Mai 1914 schließlich erklärte der amerikanische Kongress den zweiten Sonntag im Mai zum Muttertag. Darüber hinaus wurde der Muttertag zum nationalen Feiertag der USA erhoben. England folgte wenig später nach und ließ auch den Muttertag wieder aufleben, den es dort bereits eine Zeit lang im 13. Jahrhundert unter Heinrich dem Dritten gegeben hatte. 1917 schloss sich die Schweiz an, 1918 Norwegen, 1919 Schweden, 1922 Deutschland und im Jahre 1924 auch Österreich. Im Laufe der Zeit verlor der Muttertag jedoch mehr und mehr von seiner eigentlichen Intention. Ähnlich wie zu Weihnachten nicht Christi Geburt oder zu Ostern nicht die Auferstehung des Herrn im Vordergrund der Wahrnehmung stehen, so waren es am Muttertag nicht die Rechte und die Stellung der Frauen und Mütter. Vielmehr entwickelte sich der Muttertag zu einem Tag der Geschenke. Unternehmer und Verkäufer witterten alsbald das große Geschäft und begannen damit, diesen Tag erfolgreich für sich zu vermarkten. Eine Entwicklung, die Anna Jarvis ganz und gar nicht gefiel, was sogar soweit ging, dass sie vor Gericht zog, um den Muttertag wieder verbieten zu lassen. Anna Jarvis konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Was ist nun geblieben vom Muttertag?


Der Muttertag heute


Für die Einen mag es ein Tag der Verpflichtung sein, für die Anderen tatsächlich ein Tag der Verbindung. Söhne werden es leichter haben, an diesem Tag ihre Mutter zu ehren, als Töchter. Das ist wohl so, weil Söhne von ihren Müttern nie als Konkurrenz angesehen wurden. Söhne und Mütter scheinen es einfach leichter miteinander zu haben. Sie haben meist ein innigeres, weniger kritisches Verhältnis zu ihrer Mutter, wie Töchter dies haben. Ein Vorteil ist dies nicht unbedingt, denn sie haben dafür äquivalent ein "besonderes" Verhältnis zu ihren Vätern.
Wenn ich am Muttertag in mich hinein fühle, dann ist es immer die Liebe zu meiner Mutter, die nach vorn drängt. Eine Liebe, die ich nur wenige Jahre ausleben durfte - eine Liebe, die noch immer in mir steckt und nach der Mutter sucht. Es ist eine ungestillte Sehnsucht, die an Tagen wie dem Muttertag besonders weh tut. Allein das Wissen darum, dass diese Sehnsucht nie gestillt werden wird, macht es fas Ganze nicht leichter. Ich denke nicht an Frauenrechte, an Ausbeutung, an Gleichberechtigung und die Würde der Frau. Ich denke an meine Mama, die ich seit meiner frühen Kindheit schon vermisse.
Ich kann mir gut vorstellen, dass auch andere Menschen nicht mehr unbedingt an Emanzipation denken, wenn es um den Muttertag geht. Da wird es einfach ganz persönlich.


Muttertag und Vatertag


Ein Wermutstropfen bleibt. Während Jahr für Jahr der Mütter gedacht und ihnen gedankt wird, ihrer Liebe und Aufopferung Respekt und Anerkennung gezollt werden, gehen die Väter standesgemäß leer aus. Als ich noch Teil einer richtigen Familie war, fand ich das nicht so schlimm, weil ich mich an diesem Tag mit meiner Frau freuen konnte und sie mir auch das Gefühl vermittelte, ebenso dazu zu gehören. Heute aber bin ich ein Trennungs-Vater. Ich weiß, das Wort gibt es eigentlich nicht, zumindest steht es (noch) nicht im Duden. Aber ich finde, wir Trennungsväter haben so ein eigenes Wort verdient. Mit der Trennung wird alles anders. Nix mehr, von wegen liebender Vater! Aus dem Staub hat er sich gemacht, der Looser, hat Frau und Kinder sitzen lassen. Das der Stereotyp, mit dem wir es hier zu tun haben. niemand schaut hinter die Kulissen. Niemand fragt nach den Gründen. Niemand will sich damit auseinander setzen, das "Frau" an einem Trennungsprozess genauso beteiligt ist, wie der Mann. Nein, Trennungsväter sind keine guten Väter. Sie machen sich einfach aus dem Staub und vergnügen sich fortan mit einer Jüngeren. Sie kümmern sich überhaupt nicht um ihre Kinder, zahlen mal eben gerade so Unterhalt, wenn überhaupt. Es ist ganz klar: Die Väter sind die Täter - die Mütter und Kinder sind die Opfer. Ich wurde von meiner Exfrau sogar offiziell auf Unterhalt verklagt, obwohl ich nie auch nur einen Cent schuldig blieb oder einen Tag säumig war. Unsere Gesetzgebung sieht vor, das jedes unterhaltsberechtigte Kind den Anspruch auf einen vollstreckbaren Titel hat, mit dem die Mutter bei Ausbleiben einer Unterhaltszahlung sofort und unbürokratisch eine Vermögens- bzw. Gehaltspfändung beantragen kann. Mich hat das seinerzeit sehr verletzt, denn so wurde mir unterstellt, dass ich nicht pünktlich und in voller Höhe für den Unterhalt meines Kindes sorgen würde. Ich wurde für etwas verklagt und vor Gericht gezogen, das ich nie begangen hatte, vorsorglich sozusagen. Wie ist so etwas möglich? Zum Wohle des Kindes, hieß es. Ich glaube jedoch, dass hier durchaus noch mehr dahinter stecken dürfte. Es soll ein Bild aufrecht erhalten werden, wonach die Mütter zu den Guten und die Väter zu den Unzuverlässigen zählen. Das ist einfach unfair.
Und so scheinen sich Jahr für Jahr Kinder und Mütter erneut zu verbünden, um sich zu vergewissern, das wenigstens sie noch füreinander da sind. In diesem Punkt, liebe Mütter, denkt ihr noch immer wie die Frauen um Anna Jarvis. In diesem Punkt habt ihr euch kein bisschen entwickelt. Ihr wollt zwar nicht die Opfer sein, tut aber alles dafür. Es mag eure Sicht der Dinge sein, aber sie lässt doch einiges an Wahrheit einfach aus. Auch Väter tragen ihren Teil dazu bei, dass Kinder sich geborgen und geliebt wissen können. Auch Väter leisten Entbehrungen und richten ihr Leben ganz auf das Wohl der Familie aus. Auch Väter lieben ihre Kinder, fühlen sich verantwortlich für ihren Nachwuchs und begleiten ihn von Geburt an durch's Leben.
Aus diesem Grund ist der Muttertag, seit ich getrennt lebe, für mich jedesmal wie eine Ohrfeige. Alle Kinder ehren ihre Mutter. Und die Väter? Ach ja, da gibt es ja noch den Vatertag! Ein Tag an dem die Väter, die zumeist noch nicht einmal Väter sind, betrunken und grölend durch die Lande ziehen und aller Welt bekunden: Was ihr über Väter denkt, das stimmt! Sie handeln unverantwortlich, denken nur an sich und ihren Spaß und lassen ihre Familien allein...


Die eigentlichen Opfer der Gesellschaft


Ich wünsche mir nicht die Abschaffung des Muttertages, weil ich finde, dass sich Menschen gar nicht oft genug sagen können: Ich hab dich lieb! Ich wünsche mir auch nicht die Einführung eines echten Vatertages, weil wir Väter schon irgendwie damit klar kommen werden und es dann doch wichtigere Themen zu besetzen gäbe - Themen wie etwa Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung. Ein Tag des Kindes wäre da meines Erachtens eher fällig. Doch wird sich für den wohl niemand einsetzen werden, denn so könnte ja zu Tage kommen, dass die am Muttertag allerorts befeierte heile Welt so in Wirklichkeit gar nicht existiert. 17.000 Kinder in Deutschland wurden allein im Jahr 2012 Opfer von Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch.  17.000 Kinder, über die niemand redet. Von Verkehrstoten erfahren wir täglich in den Medien. Das waren in 2012 aber nur etwa 3500. Wo ist die Stimme für 17.000? Wobei diese Zahl nur die amtlich registrierten Fälle widerspiegelt. Vielfach werden Kinder aber schlecht behandelt und niemand weiß davon oder will davon wissen. 17.000 Einzelschicksale. 17.000 verletzte Seelen. 17.000 mal unsägliches Leid, das diese Kinder nun ein Leben lang begleiten wird. Ich fürchte, sie werden es verdrängen, so gut sie können. Sie werden ihre Eltern trotzdem lieben und sich noch mehr anstrengen, damit sie vielleicht auch ein wenig Liebe abbekommen. Später werden sie um Anerkennung in der Gesellschaft buhlen, am Arbeitsplatz, im Verein und in der Familie. Irgend wann werden sie zusammen brechen, weil sie den ganzen Druck nicht mehr ertragen. Sie werden vielleicht selbst Väter oder Mütter werden, jedes Jahr den Muttertag begehen und das System immer schön am Laufen halten. Feiertage sollten die Aufmerksamkeit auf etwas lenken. So gesehen sind wohl alle Feiertage in Deutschland ein glatter Schuss in den Ofen. Was wir Menschen nicht sehen wollen, sehen wir eben nicht und was wir nicht hören wollen, hören wir nicht. Irgendwann war es einmal einer politischen Partei von Vorteil, sich für den Muttertag einzusetzen. Das brachte Wählerstimmen. Mehr wohl nicht. Und so ist es dann geblieben, bis heute.

Quellen
Hintergründe Muttertag - helles-koepfchen.de
Zahlen Kindesmissbrauch 2012 - dpa

Kommentare:

  1. Soso ''Vater'' werden nicht genug gehuldigt.Was ich ganz mies findd ist,dass du dich auf kosten deiner ex rau als Opfer hinstellst und so das Bild einer egiostischen gierigen geldsuechtigen faulen Frau kreierst.Wie war es mal wenn du dich mit deinen Kräften(die du anscheinend zu genüge hast) auf produktive Arbeit besinnen würdest dich vllt lieber mal mit faulen schlagenden geizhaelsen (solls auch geben )beschäftigen wuerdest statt dich an schwächeren auszulassen.Frauen haben es heutzutage sowieso schon. Schwerer als frueher job und Kind unter einem Hut zu bekommen . vom Mann gibs da keine Unterstützung mehr.Also Reiss mal deinen Mund nicht so weit auf.was du von dir gibst ist einfach nur widerlich und ich kann kaum fassen dass das von einem Mann kommt.aber kein Wunder wieso die Geburtenrate hier sinken tut , jmd. Der nach mehr Gleichberechtigung schreit schreckt normal denkende Frauen,die noch wert auf Familie (und nicht ausbeutung) legen ab.

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    1. Das Bild, das ich deiner Meinung nach von meiner Ex zeichne, scheint eher doch etwas mit deiner Wirklichkeit zu tun zu haben, denn weder habe ich sie als geldgierig, egoistisch noch als gierig bezeichnet. Ich bin damit fertig. Sie ist die Mutter und das ist gut so. Ob ich mich als Opfer sehe? Ja manchmal schon. Im Fall meiner Trennung habe ich jedoch selbst die Scheidung eingereicht. Tut mir leid, wenn ich hier einen Nerv bei dir getroffen und Schmerz ausgelöst habe. Das war nicht meine Absicht. Liebe Grüße Benno

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