Sorgerecht für Väter beantragen - Was bringt das neue Gesetz?

Berlin. Unverheiratete Väter können künftig das volle Sorgerecht für ihre Kinder ausüben - notfalls auch gegen den Willen der Mutter. Zwar soll in Zukunft mit der Geburt des Kindes zunächst nur die Mutter das alleinige Sorgerecht haben, der ledige Vater kann aber beim Familiengericht die Mitsorge beantragen. Ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter soll den Vätern nur in dem Fall verwehrt werden, wenn hierdurch das Wohl des Kindes beeinträchtigt würde. (Quelle: Abendzeitung München)

Sorgerecht jetzt auch für Väter


Jawoll! Väter habe jetzt das Recht, ihre Kinder zu erziehen! Welch ein Quantensprung in der Entwicklungsgeschichte Deutschlands! Da falle ich fast um vor Freude! Selbstverständlich haben Väter ein Recht, für ihre Kinder zu sorgen! Dieses Recht entsteht auf buchstäblich natürliche Weise schon durch den Akt der Zeugung. Vater und Mutter sind zu jeweils fünfzig Prozent beteiligt. Beide haben also die Verantwortung für das neue Leben, denn beide haben jeweils ihren Teil, ihr Erbgut dazu beigetragen. Wieso bitte schön muss der unverheiratete Vater das Sorgerecht für sein Kind beim Gericht beantragen, wenn doch die Mutter das nicht tun muss? Wieso wird ihm dieses Recht nicht per se mit der Geburt des Kindes zugesprochen?

Zum Wohle des Kindes


Foto: Günter Havlena  / pixelio.de
Was mich aber richtig aufregt, ist die allgemeine Blindheit, mit der hier Regeln aufgestellt werden, die dann auch noch als Verbesserung gelten sollen. Jeder Vater, ob allein stehend oder verheiratet, weiß, dass ohne den guten Willen der Mutter gar nichts läuft. Frei nach dem Motto "Alle Räder stehen still, wenn ihr starker Arm es will.", entscheidet einzig und allein SIE, ob der Vater sein Sorgerecht wahr nehmen kann oder nicht. Wenn die Mutter es nicht unterstützt, dass selbstverständlich auch der Vater mit dazu gehört, werden seine Bemühungen, welches Recht auch immer gilt, mit der Zeit zwangsläufig ins Leere laufen. Natürlich kann der Vater vor Gericht ziehen und klagen und vielleicht bekommt er sogar Recht? Ja, vielleicht bekommt er sogar das alleinige Sorgerecht? Aber zu welchem Preis? Und will er das überhaupt? Was passiert in dieser Zeit mit der Wut und dem Frust der sich angegriffen fühlenden Mutter? Wer wird das wohl alles abbekommen? Wer steht denn hier zwischen den Fronten und droht zerrieben zu werden? Es ist das Kind, das als Nachteil erleben muss, was als Vorteil erdacht war. Es ist das Kind, das in Konflikte gepresst wird.
Kinder lieben ihre Eltern, wenn sie es dürfen. Sie lieben ihre Mutter und sie lieben ihren Vater. Kinder bestehen sozusagen aus Liebe und sie brauchen ihre Eltern und zwar beide Teile, um zu psychisch gesunden Menschen heran wachsen zu können. Kinder können sich nicht wirklich für einen Elternteil entscheiden. Diese Entscheidung wird ihnen manchmal von oben aufgezwungen, aber es ist keine Entscheidung, die ihr Herz treffen kann.


Sorgerecht einklagen?


Wenn wir hier wirklich vom Wohle des Kindes reden, dann sollte dafür gesorgt werden, das Vater und Mutter dem Kind zu Liebe gut miteinander umgehen können. Es sollte in Aufklärungsgesprächen beiden Teilen klar gemacht werden, dass ihr Kind sie beide braucht. Es sollte ihnen begreiflich gemacht werden, dass alle Auseinandersetzungen zwischen ihnen auf Kosten des Wohlbefindens des Kindes ausgetragen werden und dass der Schaden für ihr Kind im Einzelfall immens sein kann.
Wenn Vater und Mutter innerlich nicht bereit oder in der Lage sind, ihrem Kind zu Liebe einen vorbehaltlosen Umgang miteinander zu pflegen, dann macht eine Gerichtsentscheidung das Ganze nur noch schlimmer, denke ich.


Der Elternfüherschein 


Mein Vorschlag für solche Eltern wäre ein Elternführerschein. Durch ihr Verhalten haben sie nämlich gezeigt, dass sie nicht oder nicht mehr in der Lage sind, sich durch's Leben zu bewegen, ohne Dritte (hier das Kind) zu gefährden. Das was sie tun, kommt einem Überfahren einer roten Ampel gleich. Und in so einem Fall ist nun einmal der Lappen weg! Es sollte so etwas wie eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung, besser bekannt als Idiotentest) für Eltern geben. "Idiotentest" halte ich in diesem Fall auch die zutreffendere Bezeichnung. In einer Art Schulung sollte beiden Elternteilen klar gemacht werden, welche Auswirkungen ihr Handeln für ihr Kind hat. Die Schulung sollten beide zunächst für sich allein und in einem zweiten Teil gemeinsam absolvieren.


Das neue Sorgerecht - Alles heiße Luft


Eine Klage des Vaters auf sein Sorgerecht gegen den Willen der Mutter halte ich für contraproduktiv. Damit schadet er dem Kind, sich selbst und auch der Mutter, also wiederum dem Kind. So eine Klage hielte ich nur für den Fall gerechtfertigt, in dem die Mutter ihr Kind vernachlässigt. Aber dazu bräuchte es dieses neue Gesetz nicht. In so einem Fall kann das Jugendamt ohnehin sofort tätig werden.

Es ist also wieder einmal viel heiße Luft in einem Gesetz verschnürt worden. Ein Papiertiger ohne Wirkung! Schade um Zeit und Aufwand! Die Väter haben jedenfalls nichts davon und die Kinder schon gar nicht...

1 Kommentar:

  1. Sehr informativer Artikel. Vielen Dank an dieser Stelle!

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