Beschneidung ab Vierzehn?

Beschneidung tut weh


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Es gibt sie noch, die Humanisten und Freidenker unter den Politikern! Ja, es gibt sie noch: Menschen, die bereit sind einzutreten für die Rechte von Kindern, auch wenn das nicht opportun ist. Heute wurde in Berlin ein fraktionsübergreifender Gesetzentwurf von SPD, den Linken und den Grünen eingereicht, der die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen erst ab einem Alter von 14 Jahren legalisieren soll. Der Entwurf sieht u.a. vor, dass das Kind „einsichts- und urteilsfähig“ sein müsse und auch in der Lage, dem Eingriff selbst zu zustimmen. Zudem müsse die Beschneidung mit Schmerzmitteln und „nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie erfolgen“. Die Beschneidung sei ein schmerzvoller und mit Risiken behafteter chirurgischer Eingriff“, hieß es zur Begründung. Die irreversible Entfernung des hochsensiblen, erogenen und funktional wichtigen Körperteils habe dauerhafte physische, psychische und sexuelle Auswirkungen, so die Verfasser weiter.
Da höre ich sie schon toben und sehe sie schäumen, die Lobbyisten und Anwälte von vermeintlicher Glaubensfreiheit. Vermutlich wird man den Deutschen wieder einmal Antisemitismus und Islamfeindlichkeit vorwerfen, aber damit hat das, was hier passiert nichts zu tun. Hier geht es einzig und allein darum, zu vermeiden, dass Kindern unnötig Schmerz zugefügt wird.
Es mag sein, das Menschen in anderen Teilen der Erde, kein Problem damit haben, ihre Kinder zu verstümmeln. Das trifft Mädchen übrigens in noch viel greulicherer Weise. Und es mag sein, dass die Menschen dort sich mit ihrer Tradition wohl fühlen. Aber hier leben wir in Deutschland, haben eine andere Tradition und ein anderes Verständnis von Glaubensfreiheit und dem, was erlaubt und verboten sein sollte und das ist auch gut so.


Bundesregierung billigt Kindesmisshandlung


Hingegen sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, dass Nicht-Ärzte Beschnei­dungen nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchführen dürfen, wenn sie dafür besonders ausgebildet sind. Wie kann denn ein Nichtarzt bitteschön so ausgebildet sein, dass er alle Regeln der ärztlichen Kunst kennt? Ein Medizinstudium dauert in Deutschland mindestens sechs Jahre. Damit ist man aber noch kein Chirurg. Die hierfür notwendige Facharztausbildung dauert dann noch einmal fünf bis acht Jahre. Soll es jetzt in Zukunft Schnellbeschneidungskurse mit Zertifkat für die Zirkumzision geben? „Können außerhalb einer Klinik oder einer ärztlichen Praxis überhaupt Beschneidungen nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden, oder können dort die notwendigen Anforderungen an Hygiene und Sterilität nicht gewährleistet werden, die für eine Behandlung nach den Regeln der ärztlichen Kunst erforderlich sind?“, fragten die zuständigen Ausschüsse im Parlament zurecht nach. Der Regierungsentwurf sieht weiter vor, dass die Eltern bei Einhaltung bestimmter Anforderungen in eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres minderjährigen Sohnes einwilligen können. Die Beschneidung solle aber fachgerecht und ohne „unnötige Schmerzen“ geschehen. Zudem soll eine „im Einzelfall gebotene und wirkungsvolle Schmerzbehandlung“ sichergestellt sein.
Wer entscheidet denn hier im Einzelfall? Und was sind eigentlich unnötige Schmerzen?


Politik - Viel Wind um nichts


Unsere Regierung ist mit diesem Vorschlag wieder einmal eingeknickt vor wem auch immer. Bei allem gebotenen Respekt gegenüber anderen Religionen, halte ich es dringend für notwendig (die Not zu wenden), endlich einmal ein Zeichen zu setzen und die Beschneidung von Kindern unter Strafe zu stellen. Der Vorschlag der Opposition geht zwar nicht so weit, könnte aber ein guter Kompromiss sein. Am 22. November wird sich der Deutsche Bundestag in Erster Lesung mit der Regelung der Beschneidung befassen.
Ich hoffe und wünsche, dass über alles Parteigeklüngel und Wahlkampfgetöse hinaus am Ende ein Sieg für die Schwächsten eingefahren wird: Ein Sieg für die Rechte wehrloser Kinder.

Quellen Stand 11/12:  aerzteblatt.de   

Kommentare:

  1. die hoffnung stirbt zuletzt

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  2. "Unnötige Schmerzen" sind das Gegenteil von "nötigen Schmerzen", die man als neugeborenes Menschlein unbedingt erlebt haben sollte... oder habe ich da etwas falsch verstanden...? :-(

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    1. Ich wollte damit eigentlich deutlich machen, dass es aus meiner Sicht im Kontext der Beschneidung keine "notwendigen" Schmerzen gibt und somit jeglicher Schmerz unnötig ist.

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Jo, seh ich genauso wie du! Ein Baby fühlt keinen Schmerz? Das kenn ich (als Hebamme und Mutter) anders! Und mit 14 mag ein Kind zwar religonsmündig sein, aber nicht in der Lage solche einschneidenden Erlebnisse zu entscheiden. Mit 18 sind sie erwachsen; Zeit bis dahin genug sich das zu überlegen. Ich bin sicher, dass die Hälfte der in Frage kommenden Jugendlich dann die Notbremse zieht. - Einer meiner Söhne musste mit 4 Jahren aus medizinischen Gründen "beschnitten" werden; der arme Kerl hat fast eine Woche daran gelitten...

    Respekt vor anderen Kulturen und Religionen habe ich genug; aber das ist ein Punkt an dem auch mein Verständnis nicht weiterreicht.
    Seit Jahren kämpfe ich mit gegen die weibliche Beschneidung und das daraus resultierende Leiden. Es muss beidem ein Ende gesetzt werden; bzw. die Eigenverantwortung ins 18. Lebensjahr übertragen werden - wenn es denn unbedingt sein muss... und dann bitte nur Fachpersonal an die Tische!

    Liebe Grüße, summer

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