Wie sicher sind die Renten wirklich?

In Deutschland sind die Renten sicher. Gott sei Dank! Aber stimmt das auch? Diese "Frohe Botschaft" hören wir nunmehr seit vielen Jahren. Aber wenn unsere Renten doch sicher sind, warum muss man das immer wieder beteuern? Kein normaler Mensch thematisiert wiederholt eine Problematik, die gar keine ist. Kein Mensch spricht so oft über Dinge, um die er sich keine Sorgen machen muss. Was wir tatsächlich seit Jahren erleben, ist eine andere Botschaft: Unser Rentenmodell ist vor dem Hintergrund der aktuellen demografischen Entwicklung nicht mehr haltbar. Jeder weiß es irgendwie, aber niemand will es wirklich wahr haben. Vom Politiker bis zum Rentenempfänger in spe - alle tun lieber so, als hätte man alles im Griff. Dabei war schon während der Ära Kohl klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Aber auch unser einstiges politisches Schwergewicht schwieg sich dazu lieber aus, eine Tugend, die ihm am Ende auch den Kanzlerposten gekostet hat.
Die Rentenbeiträge steigen seit Jahren von einst 10 % auf aktuell 19,6 %. Das ist eine Verdopplung in etwa 50 Jahren. Damals gab es eine breite Basis von Beitragszahlern und einen relativ geringen Teil an Rentenempfängern. Die Bevölkerungspyramide war tatsächlich noch eine Pyramide.

DeutschlandMännerFrauen0102030405060708090100600300300600TausendTausendAltersaufbau: 1950


Das gestaltet sich inzwischen schon ganz anders und wird nach realistischen Schätzungen in achtzehn Jahren etwa so aussehen:

DeutschlandMännerFrauen0102030405060708090100600300300600TausendTausendAltersaufbau: 2030



Die Wirtschaft stiehlt sich aus der Verantwortung - Die Politik hilft dabei


Wenn ich die Diagramme so auf mich wirken lasse, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um die finanzielle Sicherheit unserer Rentner.  Schon heute arbeitet jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnsektor (Tendenz steigend) und zahlt deshalb auch nur wenig in die Rentenkasse ein. Die Richtung scheint klar zu sein. Raus aus der Sozialversicherung in Deutschland und rein in die private Absicherung! Das freut vor allem die deutschen Unternehmer, zahlen sie doch (noch) die Hälfte aller Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung. Bei anderen Teilen der Sozialversicherung ist man da schon ein gutes Stück weiter. In der Krankenversicherung hat man beispielsweise in 2011 den Beitragssatz für die Arbeitgeber auf 7,3% für alle Zeit festgeschrieben. Schon heute trägt mit 8,2 die Hauptlast der Versicherte selbst und auch hier ist der Trend steigend. Vor diesem Hintergrund muss man auch die von Frau Merkel angekündigte Rentenbeitragssenkung sehen. Das ist wieder mal ein dickes Geschenk an die Wirtschaft! Im Grunde genommen habe ich nichts gegen eine private
Absicherung. Ich befürworte sie sogar, denn wir sind alle erwachsen und für uns selbst verantwortlich. Wenn wir unseren Kühlschrank nicht auffüllen, bleibt er doch auch leer und es stört sich niemand daran? Warum also gibt es eine Beitragspflicht zur Sozialversicherung, wo doch klar ist, dass es sich um ein Fass ohne Boden handelt? Es fließen schon heute beachtliche Summen aus dem Steuersäckel in die Rente, z.B. aus der Mineralölsteuer. Der Benzinpreis in Deutschland ist u.a. deshalb so hoch, weil Teile davon direkt in die Rentenkasse fließen. Ein Durcheinander, das bald niemand mehr überblickt und wahrscheinlich ist das auch so gewollt. Ich wünschte mir etwas mehr Transparenz in politischen Entscheidungen im Allgemeinen und in Rentenfragen im Besonderen.
Gäbe es eine Partei, die sich auch für schlechte Botschaften nicht zu schade wäre und zu deren Grundsätzen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gehörten - ich würde sie wählen!


Quellen: Statistisches Bundesamt   

1 Kommentar:

  1. Also, ich hab vor kurzem eine Doku zu diesem Thema gesehen. Da wurde aufgeschluesselt, warum die 2030 Pyramide so nicht stimmt. Es werden Annahmen gemacht, die man heute noch garnicht sagen kann. Oder haetten sie 1980 gewagt zu deuten, was 2010 so los ist? Ich nicht. Und 2030?

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